Der Name
Gelegentlich machen sich (meist relativ junge) Mitmenschen die Mühe, mich anzurufen (meist anonym), um mich über einen vermeintlich verhängnisvollen Namensbestandteil meines Unternehmens aufzuklären. Oder so ähnlich.
Diesen sei Folgendes erklärt:
01. HipHop etcetera
Liebe Kinder,
es gab eine Zeit, in der gab es kein Internet und kein Dosenpfand, Handys waren ungefähr so groß wie Reisekoffer, und HipHop war eine weitgehend unbekannte musikalische Randerscheinung in US-Großstädten. Die Menschen, die diese Musik machten und hörten, waren (und sind heute noch) ziemlich arm dran, lebten in richtigen Ghettos und hatten mangels bezahlter Arbeit, Hartz IV, nennenswerten Zukunftsaussichten oder Ähnlichem oft keine andere Wahl, als ihren Lebensunterhalt auf kriminelle Weise zu verdienen (statt beispielsweise mit DSL-Anschluss und Taschengeldanspruch bei Mutti zu wohnen, am Wochenende auf gefährlichen Nachwuchsgangster mit Baseballkappe zu machen und zu Weihnachten gefälligst eine PS3 haben zu wollen). Welche verschiedenen Bedeutungen der Begriff »bitch« im Zusammenhang mit der einigermaßen drastischen Sprache und den Lebensumständen dieser Subkultur hat, ahnte hier bei uns aber kaum jemand.
Als es der Musikindustrie später wie üblich einfiel, diese ganze Szene im großen Stil international zu vermarkten, wurde es quasi zur Pflicht, möglichst viele typische Slang-Ausdrücke in Texten unterzubringen, damit diese auch schön subkulturell-authentisch rüberkamen und sich das Ganze gut verkaufen ließ. Einer dieser Ausdrücke ist eben »bitch«; dazu steht in wikipedia:
(…) Besonders große Verbreitung hat der Begriff in der Hip-Hop-Szene. Auch in deutschsprachigen Rap-Texten wird das Wort „inflationär gebraucht“ (laut einer Auswertung von 320 Texten aus den Jahren 2001 bis 2004), dabei wird es teils als eine Bezeichnung für Frauen im allgemeinen oder auch als Schimpfwort für einen Mann benutzt, insbesondere für andere Rapper, denen man vorwirft, aus kommerziellen Interessen Szene-Werte zu verraten (auch sell-out genannt); letzteres hebt auf die Nebenbedeutung von „Bitch“ als „Prostituierte“ ab. Teilweise wird „Bitch“ auch durch Frauen offensiv als Selbstbezeichnung verwendet, um den Begriff positiv umzudeuten – vergleichbar mit der Umdeutung von Begriffen wie Nigger, schwul und queer – etwa in der Riot-grrrl-Bewegung der 1990er Jahre oder durch Rapperinnen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Missy Elliott, deren Ausspruch „Eine bitch ist ein selbstbewusstes Mädchen für mich“ als „legendär“ gilt. Auch hier gilt, dass der Begriff im Sinne der aufmüpfigen Frau und nicht der Prostituierten gemeint ist. (…)![]()
So weit so gut.
Allerdings habe ich selbst mit HipHop vergleichsweise wenig am Hut, und der Name ist eigentlich auf ganz andere Weise entstanden, nämlich:
02. Merkhilfe für US-Bands
Ungefähr zur selben Zeit wie eingangs beschrieben habe ich mit dem Grafikdesign begonnen. Weil das Kursverhältnis der D-Mark (R.I.P.) relativ günstig und eine Europatournee für US-Musiker immer schon eine große Nummer war, kamen ab Mitte der 80er Jahre diverse relativ unbekannte US-Punkbands nach Europa, um hier Konzerte zu spielen und Kontakte zur heimischen Szene zu knüpfen (nur zur Erinnerung: kein Internet, keine E-Mails, keine MP3s, kein YouTube/facebook/Myspace etc. etc.). Das Ganze finanzierte sich größtenteils über T-Shirt- und CD-Kleinauflagen, die von den Bands auf Konzerten und per Mailorder verkauft wurden und für die unter anderem Grafikdesign und Druckvorlagen gebraucht wurden.
Bei solchen Gelegenheiten stellte sich regelmäßig heraus, dass US-Amerikaner mit der Aussprache meines Namens (Kubitsch) echte Probleme haben und ihn sich entsprechend schlecht merken können. Ersatzweise hat sich zu dieser Zeit eine US-aussprache-/schreib-/merkfreundliche Form etabliert: »Q-Bitch«.
Dass quasi ein heimatsprachlicher Begriff drin enthalten war, fanden diese Leute besonders lustig und hilfreich, und es klappte ab da viel besser mit der Völkerverständigung, Postzustellung und so weiter. Das Ganze entstand also mehr zufällig, ganz ohne HipHop-Hintergrund und aus naheliegenden phonetischen Gründen.
03. … und die Kuh?
Im Kommunikationsdesign verwendet man unter anderem sogenannte »Mnemonische Bilder«. Das sind Merkbilder, sozusagen visuelle Eselsbrücken, mit denen man dem unzureichenden menschlichen Gedächtnis auf die Sprünge hilft, weil es sich Bilder besser merken kann als geschriebene oder gesprochene Worte (Mnemotechnik = Gedächtnistechnik). Dazu gehört auch der Umstand, dass der Wortlaut eines Begriffs dem Menschen schnell wieder einfällt, wenn er den Anfangsbuchstaben oder die Anfangssilbe des Begriffes kennt; also: »Q« als Anfangsbuchstabe oder »Ku-« als phonetische Anfangssilbe, deren jeweilige bildhafte Umsetzung ist die Kuh.

(Nebenher gilt die Kuh als freundliches, geduldiges und nützliches Tier, auch für einen Grafikdesigner nicht die schlechtesten Attribute.)
In diesem Sinne, liebe HipHopper und Sonstige:
Auf meiner Seite gibt es keine Bitches. Grafikdesign und was dazu gehört dürft Ihr aber ruhig weiter bei mir anfragen.
